Digital planen, digital bauen, digital wohnen – nur Zukunftsmusik oder bald Standard?

Das weltweit erste digital geplante und weitgehend digital gebaute, bewohnbare Haus öffnet seine Türen. Erstanwendungen mehrerer innovativer Technologien machen das DFAB HOUSE zu einem Leuchtturm-Projekt des digitalen Bauens und Wohnens.

Die Eidgenössische Materialprüfung- und Forschungsanstalt (EMPA) eröffnete am 27. Februar 2019 das neuste Modul im NEST (Next Evolution in Sustainable Building Technologies). Die Digital Fabrication Unit (DFAB HOUSE) ist der jüngste Zuwachs im Forschung- und Innovationsgebäude in Dübendorf. Das NEST bietet eine Plattform, um neuartige Technologien unter realen Bedingungen zu testen und weiterzuentwickeln.

Das Ziel des DFAB HOUSE ist es, Digitalisierung und Baubranche zusammenzuführen. Im Fokus steht die Frage, wie wir in Zukunft leben werden. Die benutzen Materialien, der Energieverbrauch sowie die Nachhaltigkeit unserer Gebäude sind dabei zentrale Themen. Für das Projekt spannten ETH, Universitäten und viele Partner aus der Industrie zusammen, darunter auch ENGIE.

Sind Roboter und 3D-Drucker die Zukunft der Baubranche?

Das DFAB HOUSE wurde mehrheitlich digital gebaut. Decken vom 3D-Drucker und Installationen von Robotern könnten wegweisend für künftige Bauprozesse sein. Ob die Branche dafür bereit ist, steht noch zur Debatte. Fakt ist, dass die Bauwirtschaft einen Bereich mit hohem Energieverbrauch ist, gerade deshalb aber grosses Potenzial für die Digitalisierung bietet. Wenn das digitale Wohnen Realität werden soll, dann müssen sich die Player der Baubranche bewegen, um den Anschluss nicht zu verpassen. Andernfalls erwartet sie ein ähnliches Schicksal wie die Film- und Musikindustrie – Stichworte Netflix und Spotify.

ENGIE setzt Building Information Modeling (BIM) ein

Auch ENGIE durfte bei diesem Projekt innovativ mitwirken und die Heizungs-, Lüftungs- und Sanitärinstallationen planen und ausführen. Unter Anwendung von BIM-Methoden wurden sämtliche Gewerke in 3D modelliert und koordiniert. Mittels Modellabgleich wurden Konflikte frühzeitig erkannt und vor der Ausführung bereinigt. Die notwendigen Aussparungen und Bohrungen konnten in die Gebäudekonstruktion übernommen werden und im Holzbau ab Werk vorbereitet werden. Die komplette Gebäudetechnik wurde mit umfangreicher Sensorik ausgerüstet, wodurch die EMPA die Anlagen im Betrieb erforschen und insbesondere auch die Energieflüsse erfassen und auswerten kann.

Mit dem Smart Home gegen die Klimaerwärmung

Das intelligente Zuhause ist eine Vision, die bei vielen Bilder von einem Kühlschrank hervorruft, der selbständig Essen bestellt. Dahinter steckt aber mehr. Von der Gebäudetechnik bis zum Einbruchalarmsystem: Im gesamten Bauwerk stecken Digitalisierungsmöglichkeiten. Hauptsächlich geht es beim smarten Haus aber nicht um die Anzahl der digitalen Geräte, sondern um deren Vernetzung und Kommunikation sowie das Zusammenspiel der verschiedenen Systeme.

Intelligent ist das Smart Home nicht nur in der Ausstattung, sondern auch im Umgang mit Energien. So kann beispielsweise mittels Photovoltaik, Wärmetauscher und einer intelligenten Steuerung die Energieverschwendung massiv eingedämmt werden. Sprich: Das Bauen wird durch die Digitalisierung nicht nur effizienter, sondern auch ökologischer. Das DFAB HOUSE ist ein erster Schritt auf dem Weg zu einer neuen Baukultur, in der Material- und Energieverbrauch minimiert werden. Denn, wie es Nationalrätin und Direktorin der Zürcher Handelskammer Dr. Regine Sauter formulierte, «die Frage ist nicht: wie leben wir in Zukunft, sondern: wie leben wir in Zukunft richtig».

Kommentare zu  “Digital planen, digital bauen, digital wohnen – nur Zukunftsmusik oder bald Standard?

Antworten

Auch wir möchten durch eine Neugestaltung unseres Hauses auf eine digitalere Lebensweise setzen. Vor allem die Sanitärinstallationen sollen durch vorherige Planung eine Digitalisierung ermöglichen. Ich möchte ein smartes Zuhause planen und zum Beispiel auch im Bad nicht auf diese Option verzichten. Vielen Dank für Ihren Beitrag zu diesem Thema!

    Franziska Callioni,
    Antworten

    Liebe Frau Garosz, es freut uns, dass unser Beitrag hilfreich war. Unser Experte Michael Schwery (michael.schwery@engie.com) kann Ihnen bei Fragen gerne individuell weiterhelfen.

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