Energetische Betriebsoptimierung – ein langfristiger Gewinn

Was bedeutet eigentlich energetische Betriebsoptimierung? Wie hebt sie sich von anderen Methoden zur Effizienzsteigerung ab und was macht sie so attraktiv?

Das Ziel der energetischen Betriebsoptimierung ist, die gesamte Gebäudetechnik bedarfsgerecht zu betreiben. Das bedeutet, dass jedes Glied in der Energieversorgungskette nur so intensiv betrieben wird, dass es den Anforderungen des Endnutzers oder Nutzungsbereichs gerecht wird. Dafür wird der Betrieb der vorhandenen Anlageninfrastruktur analysiert und durch gezielte Abstimmung der Steuerung bedarfsgerecht angepasst. Damit lässt sich ohne hohe Investitionen der Energiebezug reduzieren und zusätzlich die Betriebssicherheit erhöhen. Anders als bei energetischen Erneuerungen fallen selten grosse materielle Investitionen an.

Anlagen laufen häufig nicht optimal

Nach der Inbetriebnahme einer Anlage läuft diese noch nicht optimal. Dies liegt daran, dass die Steuerung der Anlage noch nicht für die realen Gegebenheiten feinjustiert werden konnte. Denn Planung und Realität weichen meistens ab. Deshalb muss eine Anlage, nachdem sie einige Wochen oder Monate in Betrieb war, entsprechend den realen Bedingungen optimiert werden. Die Erfahrung zeigt, dass Unternehmen diese erste Optimierung oft nicht sorgfältig durchführen oder ganz vernachlässigen. Häufig bleiben sogar die Einstellungen der Inbetriebnahme der Lüftung oder Heizung einfach bestehen.

Exakte Anforderungen definieren

Der Zweck von gebäudetechnischen Anlagen ist es, für Räume und Prozesse die erforderlichen Bedingungen zu schaffen. Meist sind das neben der Temperatur, die Luftfeuchte und Luftqualität. Sind die Anforderungen und die Toleranzbereiche genau bekannt, können die Anlagen dementsprechend eingestellt werden. Wenn exakte Anforderungen fehlen, entstehen ineffiziente Betriebssituationen.

Die Anforderungen zu definieren ist nicht trivial, gerade wenn komplexe Produktionsprozesse betroffen sind. Manchmal müssen grundlegende Betriebsweisen neu überdacht werden, welche bis dahin nie hinterfragt wurden. Bei einem Kunden hat das Energy Services Team von ENGIE festgestellt, dass die Grenzwerte für die Raumtemperatur im Büro so eng gesetzt waren (in diesem Fall auf 23 ±0.5 Grad Celsius), dass sich Heizung und Kühlung ständig abgewechselt haben. Ausserdem waren die Vorlauftemperaturen für Heizung und Kühlung zu hoch respektive zu tief eingestellt und haben die Leistungen der Anlagen unnötig in die Höhe getrieben. Solche Betriebszustände sind aus energetischer Sicht höchst ineffizient. Dies sind jedoch nur einfache Beispiele eines Problems. Bei einer komplexen Gebäudetechnik können verschiedenste Wechselwirkungen und Szenarien entstehen.

Schrittweise zum bedarfsgerechten Optimum

Sind die Anforderungen klar definiert, kann die eigentliche Optimierung beginnen. Je nach Automatisierungsgrad der Gebäudetechnik kann der Betreiber oder Benutzer die Einstellung über die Steuerungen der verschiedenen Anlagen oder via Gebäudeleitsystem selber vornehmen. Es ist wichtig, dabei auch grundsätzliche Regelbeschriebe zu überprüfen und bei Bedarf anzupassen. Wer die Anpassungen selber vornimmt, sollte bei den Einstellungen der Soll-Werte und der Regelparameter bei der Energienutzerseite (Räume und Prozesse) beginnen und sich weiterarbeiten bis hin zur Energieerzeugung oder Energieumwandlung. So ist gewährleistet, dass in jedem Schritt der Energieversorgungskette nur die Anforderungen der nächsten Stufe erfüllt werden. Jede Anlage arbeitet nun bedarfsgerecht bezüglich der Anforderungen der nachfolgenden Anlage oder des nachfolgenden Nutzers.

Bis der optimale Betriebszustand erreicht ist, sind teilweise mehrere Optimierungszyklen nötig. Anpassung und Optimierung einzelner Werte müssen wiederholt überprüft und gezielt verbessert werden. Es macht Sinn, dass eine energetische Betriebsoptimierung ein langfristiger Prozess ist, indem auch saisonale Unterschiede erkannt werden.

Bedarfsgerechte Investitionen

Neben den Kosteneinsparungen durch den reduzierten Energiebedarf während des Betriebs, kann auch für kommende Investitionen gespart werden. Nach einer Optimierung sind Anlagen häufig weniger ausgelastet. Bei Bedarf kann eine Gebäudetechnikanlage durch eine kleinere, günstigere Anlage ersetzt werden.

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