Energieautarkes Mehrfamilienhaus besteht Härtetest

Energieautarkes Mehrfamilienhaus in Brütten

In Brütten steht das weltweit erste energieautarke Mehrfamilienhaus. Es produziert die gesamte Energie selbst, welche die Bewohnerinnen und Bewohner darin verbrauchen und welche das Gebäude benötigt. Doch reicht das auch bei einem solch kalten und sonnenarmen Winter, wie wir ihn dieses Jahr erlebt haben?

Energie zu Hause ist für die Wenigsten ein drängendes Thema. Der Strom kommt aus der Steckdose; die Heizung sorgt für ein warmes Wohnzimmer – rund um die Uhr, fast uneingeschränkt. Das sieht aber ganz anders aus, wenn das eigene Haus nicht ans lokale Stromnetz angeschlossen ist, sondern die gesamte Energie selbst produziert. Besonders, wenn man den kältesten und sonnenärmsten Januar seit dreissig respektive zwanzig Jahren erlebt. So geschehen Anfang 2017.

Verbrauchsanzeige schärft Bewusstsein

«Im Januar habe ich mich schon gefragt, ob die Energie reicht», sagt Benjamin Dössegger. Seit Mai 2016 wohnt er mit seiner vierköpfigen Familie in einer Wohnung im weltweit ersten energieautarken Mehrfamilienhaus in Brütten im Kanton Zürich. Auf einem Tablet sehen sie jederzeit, wieviel sie bereits von ihrem Energiebudget aufgebraucht haben. «Wir versuchen, das Gebäude mit unserem Verhalten zu unterstützen – gerade im Winter», sagt Dössegger. So achten sie darauf, dass sie beispielsweise die Waschmaschine im Winter am Tag laufen lassen. Dann also, wenn die Energie auch produziert wird. Damit sind sie bisher sehr gut gefahren. Einschränken mussten sie ihr Verhalten deshalb nicht. Im Sommer lag ihr Verbrauch durchschnittlich bei rund 50 bis 60 Prozent ihres Energiebudgets. Im Winter bei rund 90 Prozent.

 

«Die Bewohner verbrauchen halb so viel Energie wie der Schweizer Durchschnitt»

 

Mehr Komfort mit Standard-Produkten

Im energieautarken Mehrfamilienhaus ist alles auf höchste Energieeffizienz ausgelegt. Erreicht wird dies mit bewährten Standard-Produkten. Wer jetzt denkt, dass die hohe Energieeffizienz auf Kosten des Komforts erreicht wird, der irrt. «Gegenüber unserer früheren Wohnung ist unser Komfort sogar gestiegen», sagt Dössegger. Als Beispiel nennt er die kontrollierte Lüftung. Dank ihr sei das Raumklima konstant angenehm, ohne dass sie etwas dazu beitragen müssten. Dafür sorgen Luftqualitätsfühler. Sie messen den CO2-Gehalt in jeder Wohnung. So gelangt nur so viel Frischluft in jede Wohnung, wie für eine optimale Luftqualität nötig ist. Dadurch benötigen die Ventilatoren rund 30 Prozent weniger Betriebsenergie als bei einer Wohnungslüftung ohne entsprechende Bedarfsregelung.

Halb so viel wie Schweizer Durchschnitt

Das ist nur ein Beispiel, wie das Haus in Brütten mit bewährter Standard-Technik ein Optimum an Energieeffizienz erreicht. «Die Bewohnerinnen und Bewohner in unserem energieautarken Mehrfamilienhaus brauchen nur rund die Hälfte der Energie, wie schweizweit pro Wohnung und Jahr verbraucht wird», sagt Walter Schmid, VR-Präsident Umwelt Arena Schweiz. «Sie verbrauchen lediglich 2‘200 gegenüber 4‘400 Kilowattstunden pro Jahr.» Die Bilanz nach dem ersten Winter zeigt: Es besteht lediglich eine Stromlücke von 10 Prozent. Mit dem im Haus selber produzierten Wasserstoff kann diese Lücke jedoch gedeckt werden. Die Photovoltaik-Panels produzieren im Sommer einen klaren Stromüberschuss. Damit wird Wasserstoff produziert. Im Winter generiert eine Brennstoffzelle daraus wieder Strom. «In der nächsten kalten Jahreszeit muss ich mir keine Sorgen mehr machen», freut sich Dössegger. «Denn dieser Winter hat bewiesen: Es funktioniert alles bestens – auch während einer ausgedehnten Schlechtwetter-Periode.»

Mehr zur Funktionsweise des energieautarken Mehrfamilienhauses erfahren Sie in diesem Video und Interview.

Projekt getragen von starken Partnern

Das «energieautarke Mehrfamilienhaus» in Brütten ist ein Projekt der Umwelt Arena Schweiz in Spreitenbach. Sie hat es gemeinsam mit Ausstellungspartnern wie ENGIE realisiert. Die Ausstellung mit einem Grossmodell zeigt in der Umwelt Arena den technischen Aufbau und präsentiert die technischen Lösungen. Themenführungen durch die Ausstellung mit Fokus auf das Projekt «Energieautarkes Mehrfamilienhaus» sind buchbar für Gruppen über fuehrungen@umweltarena.ch, Tel. +41 56 418 13 10. www.umweltarena.ch

 

Weitere Beiträge zu diesem Thema:
– Das weltweit erste energiautarke Mehrfamilienhaus
ENGIE baut am Haus der Zukunft

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