Energieeffizienz bietet Schweizer Unternehmen viele Chancen

Porträtaufnahme von Wolfgang Schwarzenbacher

Die Praxis zeigt es tagtäglich. Energieeffizienz ist ein direkter Gewinn. Denn eingesparte Energie ist auf Dauer die Günstigste. Ein Fakt, der leider zu häufig übersehen wird. Wieso, erklärt Wolfgang Schwarzenbacher im Interview.

 

In der Energiestrategie 2050 spielt Energieeffizienz eine wichtige Rolle. Wo liegen die grössten Potenziale?
In der Schweiz gehen gut 45 Prozent des Energiebedarfs auf das Konto von Gebäuden. Und diese Gebäude sind alt. Über 50 Prozent sind mehr als 45 Jahre alt und darin dominieren oft Öl- und Gasheizungen. Hier besteht grosses Potenzial. Einerseits um sie energetisch zu sanieren und andererseits um sie neu mit erneuerbaren Energien zu versorgen. Einen weiteren Ansatzpunkt sehe ich in sogenannten Areal-Lösungen. Darin werden mehrere Gebäude energetisch vernetzt. Damit optimieren wir den Energieeinsatz und sparen gleichzeitig Ressourcen und Geld.

 

«In Neubauten sind erneuerbare Energien und Energieeffizienz mit grosser Mehrheit Standard»

 

Warum macht es Sinn, in Energieeffizienz zu investieren?
Eingesparte Energie ist auch heute immer noch sehr oft die Günstigste. Effizienz ist darum für unsere Kunden ein direkter Gewinn – ein Fakt, den man auch heute noch allzu oft übersieht. Energieeffizienz nützt aber nicht nur den Kunden, sondern auch uns als Unternehmen und unserer Branche als Ganzes. Solche Lösungen sichern die lokale Wertschöpfung, positionieren das Schweizer Gewerbe in einem Zukunftsbereich optimal und erhalten Arbeitsplätze in der Schweiz. Deshalb sollten wir diese Chance unbedingt packen. Die Energiestrategie 2050 schafft Investitionssicherheit für Unternehmen, um stärker in Energieeffizienz-Projekte zu investieren.

Nennen Sie doch konkrete Beispiele für energieeffiziente Anwendungen.
Der Klassiker ist eine gewöhnliche Sanierung. Heute ersetzt eine Wärmepumpe beispielsweise eine 50-jährige Ölheizung. Sie ist mit einem Speicher gekoppelt und eine Photovoltaik-Anlage kann teilweise ihren Strombedarf decken. So steigt man auf erneuerbare Energien um und kann sich zu 50 bis 70 Prozent selbst mit Energie versorgen – ohne Verlust an Komfort.

Eingangs haben Sie Areal-Lösungen erwähnt. Wie sieht es damit aus?
Solche Lösungen sind äusserst effizient. Mit einem sogenannten Energie-Ring können verschiedene Gebäude über ein Wärme- und Kältenetz verbunden werden. Mit Hilfe von Wärmepumpen in den Energiezentralen wird die erforderliche Wärme und Kälte erzeugt und via Netz verteilt. Als Energiequellen dienen beispielsweise die Energie der Sonne, die Abwärme von Industriebetrieben oder die in Seen gespeicherte Wärme. Angeschlossene Haushalte und Unternehmen heizen und kühlen damit ganzjährig mit lokaler, erneuerbarer Energie. Durch den Verzicht auf fossile Energie vermeiden wir so viele Tonnen CO2. Faszinierend ist, dass sich ein solcher Energie-Ring mit Technik umsetzen lässt, die sich seit Jahrzehnten bewährt hat – natürlich kombiniert mit modernen Energiemanagement-Systemen.

Aus einigen Kreisen gibt es Widerstand gegen die Energiestrategie 2050. Was halten Sie davon?
Das überrascht mich sehr. Wenn man die Argumente der Gegner liest, merkt man sehr schnell: Sie wissen eigentlich nur, wogegen sie sind. Wofür sie sich einsetzen wollen, erfahren wir kaum. Mich stört diese Rückwärtsorientierung. Die Gegner suggerieren, dass wir den Status Quo konservieren können und sollen. Doch der technologische Wandel schreitet voran. Er eröffnet uns neue, wirtschaftliche Alternativen zu bestehenden fossilen und ineffizienten Lösungen. Genau darin steckt viel Potenzial. Davon profitiert auch der Grossteil der Schweizer Wirtschaft mittel- bis langfristig. Davon bin ich überzeugt.

Trotz Fördergeldern für energetische Gebäudesanierungen ist die Sanierungsrate tief in der Schweiz. Profitieren vom Gebäudeprogramm nicht vor allem diejenigen, die sowieso etwas tun müssen?
Im Gegenteil. In der Schweiz wird qualitativ gut gebaut. Deshalb haben wir einen alten Gebäudepark. Die Sanierungsrate wäre ohne Gebäudeprogramm wohl noch tiefer. Das Gebäudeprogramm erfüllt zum einen eine Informationsaufgabe. Zum anderen ist es Motivation: Nichts wirkt so stark wie eine Prämie. Damit erzielen wir eine Win-Win-Situation: Die Schweiz wird nachhaltiger und der Gebäudebesitzer spart Energie. Übrigens: in Neubauten sind erneuerbare Energien und Energieeffizienz mit grosser Mehrheit Standard. Das zeigt deutlich, wohin die Reise geht.

Weshalb unterstützen Sie und Ihr Unternehmen die Energiestrategie 2050?
Wir bei ENGIE gehen den Weg Richtung mehr Energieeffizienz und erneuerbare Energien schon seit jeher. Aus zwei Gründen: Wir sehen tagtäglich, was bewährte Technologie leisten kann, wie viel effizienter sie arbeitet – und dies ohne Verlust an Komfort! Andererseits ist Energieeffizienz ein Megatrend. Er findet statt, ob wir mitmachen oder nicht. Energieeffizienz und erneuerbare Energien sind ein zukunftsträchtiges Feld. Die Kunden verlangen danach und dieses Bedürfnis wollen wir mit bestmöglichen Dienstleistungen und Services befriedigen.

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