Spital: keine besonderen Anforderungen an die Gebäudeautomation?

Das stimmt natürlich nur bedingt. Währenddem sich der Schwierigkeitsgrad für die Gebäudeautomation in den Zentralen in Grenzen hält, ermöglichen heutige Technologien komplexe Lösungen bei den Patienten-Terminals.

Gebäudeautomation ist heute mindestens in Zweckbauten und insbesondere in Spitälern nicht mehr wegzudenken. Sie ist die Voraussetzung für einen einfachen, sicheren und energieeffizienten Betrieb der Gebäudetechnik. Notwendigkeit und Nutzen solcher Systeme sind unbestritten. Aber wie sieht es im Patientenzimmer aus? Was soll künftig an der Bedienstelle des Patientenbetts möglich sein?

Vom Klappbett zum Luxuszimmer

Noch bis weit ins letzte Jahrhundert hinein standen Krankenbetten zahlreich und sauber aufgereiht in sogenannten Krankensälen. In den darauffolgenden Jahrzehnten reduzierte sich die Bettenzahl pro Zimmer auf eins bis sechs Betten. Die Überschaubarkeit der grossen Säle ging dabei verloren und es brauchte viel mehr Pflegepersonal. Dank so genannten «Schwesternrufanlagen» konnte dieses – vor allem wirtschaftliche – Problem gelöst werden. Mechanische Anlagen mit Seilen und Klappen wurden im Laufe der Zeit durch elektrische Lösungen ersetzt.

Telefone an jedem Krankenbett wurden irgendwann zur Normalität. Patientenkarten ermöglichten später das effiziente Abrechnen der individuellen Kosten. Die Hersteller der Telefonanlagen integrierten in der Folge die Birntaste am «Galgen» des Patientenbettes in ihre Endgeräte und zu guter Letzt wurde das Telefon zum Radio und später auch zum Fernseher. Damit war Telefonie, Audio, Video und ein Teil der Lichtrufanlage eine Einheit und das Telefon wurde zum zentralen Bediengerät.

Touchpanel – der Alleskönner am Krankenbett

Heute sind Touchpanel, sogenannte Patienten-Terminals in Form eines Tablets, mit unzähligen Funktionen direkt am Spitalbett verfügbar. Und sie sind erschwinglich geworden. So erschwinglich, dass sie als Patienten-Terminal an jedem Krankenbett eingesetzt werden können – und sollten! Denn diese Investition kann sich in vielerlei Hinsicht lohnen.

Was sind die Vorteile eines Touchpanels am Krankenbett?

  • Wohlbefinden und Komfort für Patienten
    Aufstehen, um Jalousien zu schliessen? Diese Zeiten sind vorbei. Ein Touchpanel am Bett hilft mit seiner intuitiven Bedienoberfläche, den Spitalalltag etwas angenehmer und einfacher zu machen. Der Patient oder die Patientin kann vom Bett aus Lichtstimmungen, Beschattung und Einzelraumregulierung bedienen, Radio, Fernsehen, Pay-TV oder Internet konsumieren, via IP-Telefonie Gespräche führen und über die Lichtruffunktion das Pflegepersonal anfordern. Lösungen mit Spracherkennung können gerade Patienten mit Bewegungseinschränkungen hilfreich sein und ihnen möglichst viel ihrer Selbständigkeit erhalten.

Mein Tipp für die Planung:
Vermeiden Sie exotische Sonderentwicklungen. Nutzen Sie, wo möglich, etablierte Standards und Lösungen. Vielleicht müssen Sie dabei den einen oder anderen minimalen Kompromiss eingehen. Dafür gewinnen Sie aber ein Vielfaches an Investitionsschutz, Sicherheit und Unabhängigkeit.

  • E-Administration
    Das Touchpanel dient als Informationssystem für Ärztinnen und Ärzte sowie für das Pflegepersonal. So können jederzeit, je nach Anmeldung, über den persönlichen Batch, die Krankenakte allfällige Röntgenbilder oder andere Informationen abgerufen oder über Videotelefonie online Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen angefordert werden. Über eine interaktive Oberfläche kann das Pflegepersonal zum Beispiel zur Überprüfung von Vitaldaten aufgefordert werden. Diese werden direkt in der Krankenakte nachgetragen. Damit wird der Aufwand massiv reduziert, Fehlerquellen werden eliminiert und die Daten stehen sofort überall zur Verfügung. Ferner können am Touchpanel Handreichung einfach erfasst und direkt an das Verrechnungssystem übergeben werden. Auch damit kann der Aufwand stark reduziert und die Datenqualität verbessert werden.

Mein Tipp:
Wählen Sie einen Partner, der Sie mit seinen Erfahrungen unterstützen kann und als Generalist die Spezialisten aus den verschiedenen Disziplinen zusammenführt. Auch Sicherheit und Stabilität der Systeme sowie der Datenschutz spielen in diesen Bereichen eine äusserst wichtige Rolle.

  • Energieeffizienz
    Eine integrale Planung der Gebäudetechnik ermöglicht einen energieeffizienten Betrieb. Beispielsweise passt sich das Raumklima automatisch den momentanen Bedürfnissen an, die Beleuchtung wird bedarfsgerecht geregelt und mit der Beschattungsanlage abgestimmt, die Raumtemperaturregulierung und Beschattungsanlage aufgrund der Wetterprognosen einen Wärmeeintrag zulässt aber umgekehrt bei geöffneten Storen die Zufuhr von Kälte unterbricht und der Raum bei Absenz oder Nichtbelegung automatisch in einen Standby-Zustand wechselt.

Mein Tipp:
Spitäler bieten meist ein grosses Potenzial für Energieoptimierung. Insbesondere in der Betriebsphase können Nutzungs- oder Verhaltensänderungen, wie zum Beispiel der Einsatz neuer Medizintechniken mit veränderten Verlustleistungen, neue Situationen schaffen, deren Wirkung erkannt und entsprechend Rechnung getragen werden muss. Das zentrale Werkzeug hierfür ist die integrale Gebäudeautomation.

Gebäudeautomation verbindet

Verlassen wir also unser «Silodenken» einzelner Dienstleister und nutzen wir die Chancen, die uns die neuen Technologien bieten. Nutzen wir die vorhandenen, für ihre Aufgabenstellung spezialisierten Systeme, verknüpfen sie sinnvoll miteinander und stellen sie auf dem Touchpanel – dem Patiententerminal – den verschiedenen Benutzerinnen und Benutzer entsprechend zur Verfügung. Wichtig ist es, die Chancen solcher Lösungen zu erkennen und sie bereits schon ganz am Anfang eines Projektes in die Zielsetzungen einfliessen zu lassen. Längerfristig zahlt es sich in verschiedener Hinsicht aus.

 

«Mag sein, dass Patienten, Gebäudetechnik, Facility Management, Medizin, Pflege und Verwaltung insgesamt nicht viel miteinander zu tun haben. Das Touchpanel am Patientenbett jedoch, ist das universelle Werkzeug, dass von allen Stakeholdern entsprechend ihren Bedürfnissen genutzt werden kann.» 

Daniel Comolli, Leiter Gebäudeautomation ENGIE Schweiz

 

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