Wie bringen wir BIM auf die Baustelle?

BIM (Building Information Modelling) ist in der Schweizer Bauwirtschaft allgegenwärtig. In der Planung ist BIM längst angekommen. Leider gelangt das Modell dann aber nur selten bis auf die Baustelle.

Die Produktivität im Schweizer Baugewerbe stagniert seit Mitte der Neunziger. Im Vergleich dazu konnte das verarbeitende Gewerbe die Produktivität im selben Zeitraum um fast 70 Prozent steigern, zu einem grossen Teil durch die Digitalisierung.

Die Digitalisierung war bis vor ein paar Jahren im schweizerischen Baugewerbe kaum vorhanden. Mit BIM, dem sogenannten Building Information Modelling oder Bauwerksdatenmodellierung, hat die Bauwirtschaft neuen Methoden geschaffen, die dem Baugewerbe zum ersehnten Quantensprung verhilft. Dabei werden mit Hilfe von neuen Prozessen und dem modellieren des Bauwerks (erstellen eines digitalen Zwillings), die Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden optimiert. Wer davon profitieren will, muss die Technologie auch konsequent auf der Baustelle nutzen.

In den letzten 12 Monaten wurden verschiedene BIM Standards für die Schweiz erarbeitet und mittlerweile ist das Schlagwort «BIM» fast in jedem neuen Bauprojekt zu finden. ENGIE Services AG schafft deshalb Tools und Prozesse , damit die Modelle und darin enthaltene Informationen in der Realisierungsphase gewinnbringend genutzt werden können.

Viel Potenzial in der Wertschöpfungskette

Die Wertschöpfung eines Bauwerks findet grösstenteils während der Bauphase und dem Betrieb statt. Der Hebel zur Erhöhung dieser Wertschöpfung liegt in der digitalen Planung – zum Beispiel in der Umsetzung mit BIM.

In der Schweiz wird häufig nach der BIM-Methode geplant, insbesondere beim Submissionsgeschäft bricht die Kette aber ab: Nach der Planung wird das Projekt konventionell Ausgeschrieben (Anlage- und Funktionsbeschriebe, Materialauszüge auf Papier und 2D CAD Pläne). Erstens findet kein Wissenstransfer von der Projektierung an die ausführenden Unternehmer und späteren Betreiber statt, zweitens wird die Effizienzsteigerung dank reduzierter Verschwendung in der Umsetzung und Betrieb nicht genutzt.

Reduktion der Verschwendung im Bau

Verschwendungen im Bau lassen sich in sieben Arten unterteilen: Überproduktion, Wartezeit, Transport, Arbeitsprozesse, Lagerbestände, überflüssige Bewegungen und Produktionsfehler. Alle lassen sich mit einer korrekt angewandten Methodik verringern.

Nach der BIM Methodik wird einen sogenannten digitalen Zwilling: erstellt, ein digitales Abbild oder Modell des Bauwerks. Tauchen Probleme auf, können diese direkt in der Planungsphase gelöst werden und müssen nicht auf der Baustelle aufwendig korrigiert werden. Vorausgesetzt, BIM wird auch in der Umsetzung angewendet.

Digitalisierung auf der Baustelle

Anhand des erstellten Modells kann der Unternehmer Bauabläufe optimieren, Bauzeiten durch Vorfabrikation verkürzen und vereinfachen, Kosten überwachen, Fehler minimieren und vieles mehr. Zusätzlich wird auch die Kommunikation und Kollaboration mit dem Bauherrn und den Planern erleichtert, wenn direkt über das Modell kommuniziert werden kann.

Dies bedingt aber auch ein Umdenken auf der Baustelle. Der Klappmeter wird in Zukunft durch den Laser ersetzt und der Papierplan durch das Tablett oder die VR-Brille. Für Aufnahmen oder Abbildungen des Bestandes werden in Zukunft nicht mehr Papier, Bleistift und Meter benötigt, sondern ein Scanner.

Auch muss der Unternehmer früher in den Planungsprozess involviert werden. Er weiss meistens besser als der Planer, wie das geplante effizient umgesetzt werden kann. Die klassische Trennung zwischen Planer und Unternehmer muss sich hierzu ändern. In den USA, Skandinavien und England, wo BIM bereits seit längerem eingesetzt wird, findet dies bereits heute statt.

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3D Vorschau BIM Modell im Rohbau

Veränderungen fordern Kraft (aber machen Spass)

Der Betrieb stellt sich nicht von heute auf morgen um. Bewährte Prozesse werden grundlegend hinterfragt und verändert. Unternehmensstrukturen werden umgebaut oder gar abgebaut werden. Das bedarf viel Zeit und fordert insbesondere ein Umdenken aller Mitarbeitenden. Die Schulung der Mitarbeitenden ist deshalb ein zentrales Element. Wer die Ressourcen und Kapazität hat BIM einzusetzen, für den sieht die Zukunft spannend und vielversprechend aus.

Als Experte in diesem Bereich kann ich mit Sicherheit sagen, dass sich BIM durchsetzen wird. Als Besteller, Betreiber, Planer, oder Unternehmer muss man sich nun fragen ob man vorne mit dabei sein will oder abwartet und riskiert, den Anschluss zu verpassen. Digitalisierung und BIM ist für ENGIE Schweiz ein klares Bekenntnis und Bestandteil der Strategie. Wir sehen BIM als Chance und schauen dem Wandel mit grossem Optimismus entgegen. Nutzen auch Sie diese Chance.

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