Portrait einer Ingenieurin

Der Ingenieursberuf ist so vielseitig wie kaum ein anderer. Insgesamt gibt es über 100 verschiedene Ingenieursdisziplinen, eine davon ist die Energie- und Umweltverfahrenstechnik. Für ein Studium in dieser Disziplin entschied sich damals Katja Gallus…

Von Deutschland über Bolivien nach Basel

Durch den Maschinenbaubetrieb von Katjas Familie, wurde ihr die technische Affinität quasi in die Wiege gelegt. Allerdings interessierte sie sich mehr für Umwelttechnik als Maschinenbau und studierte schlussendlich das, was dem am nächsten kam. Nach ihrem Studium an der Technischen Universität in Clausthal (Deutschland) und einem kurzen Abstecher in die Automobilbranche – wo sie eigentlich nie hin wollte – packte sie ihre sieben Sachen und ging für eineinhalb Jahre nach Bolivien. Dort arbeitete sie auf verschiedenen Projekten im Energiebereich. Auch später verschlug es sie durch ihre Arbeit bei Alstom in alle Ecken der Welt, wobei sie als Expat in Spanien stationiert war.

Als General Electrics Alstom übernahm, war für Katja die Zeit reif, sich nach etwas Neuem umzuschauen. Caliqua suchte damals in Basel eine Projektingenieurin für den Service, mit dem Ziel, Kunden mehr in Serviceverträge einzubinden. Nicht nur das Stellenprofil sprach Katja an. Ihr gefiel, dass bei Caliqua alles eher klein und übersichtlich ist, man einen persönlichen Bezug zu seinen Arbeitskollegen/innen hat und in direktem Kontakt zu allen Abteilungen steht. Das macht den Job sehr vielseitig: «Es ist noch einmal eine harte Lernphase, die man durchmacht. Plötzlich kümmerte ich mich auch um Bestellungen und schrieb Rechnungen. Daneben noch eine Anlage zu betreuen, ist schon anders, als wenn man (wie in Spanien) immer auf vor Ort ist.»

Bei Caliqua betreut Katja nun Kunden in diversen Bereichen des Energiesektors. Darunter fallen zum Beispiel Müllverbrennungsanlagen oder Holzschnitzelkraftwerke. Allerdings entwickelt sie sich innerhalb von Caliqua weiter und wird in Zukunft für die Abwicklung von Prozessabläufen und Margenverbesserungsprojekten zuständig sein. «Ich bin dann überwiegend im Büro. Ob mir das nach einem Jahr nicht wieder langweilig wird, weiss ich natürlich nicht.» meint sie lachend.

Erfolge und Respekt

In ihrer Laufbahn konnte Katja schon eine Vielzahl an Projekten betreuen. Gab es ein Projekt oder Erfolg, auf den sie besonders stolz ist? Für Katja ist der grösste Erfolg nicht ein spezifisches Projekt, sondern vielmehr, wenn ein Kunde zurückkommt, auch mit neuen Aufträgen. «Wenn du spürst, dass der Kunde Vertrauen zu dir hat und deshalb wieder kommt. […]  Das ist für mich mehr wert als ein Auftrag, der zwar gross ist, aber dafür nur einmalig.»

Es gibt aber auch etwas anderes, worauf Katja stolz ist: dass sie es überall geschafft hat, sich ihren Respekt zu verschaffen. Dies findet sie gerade als Frau im Ingenieursberuf besonders wichtig: man soll noch Frau sein und sich gleichzeitig behaupten können. Das eine sollte das andere nicht ausschliessen. Das ist nicht immer einfach, gerade im Ausland wurde Katja manchmal schräg angeschaut, als sie als Frau auf eine Anlage kam. Aber schlussendlich gewöhnen sich alle daran und es funktioniert dann doch immer.

Über Entscheidungen, das Bildungssystem und die Frauenquote

Natürlich wollten wir von Katja wissen, ob sie sich wieder für den Beruf als Ingenieurin in der Energie- und Umweltverfahrenstechnik entscheiden würde: «Nein, aber nicht, weil ich schlechte Erfahrungen gemacht habe. Ich habe […] viele interessante Leute getroffen und wahnsinnig viel gelernt. Ich würde rückblickend aber wohl eher in Richtung Geografie und Hydrologie gehen. Es ist nicht so, dass ich sagen würde, der Ingenieursberuf ist gar nichts für mich. Vom Herzen her war es dann aber vielleicht doch nicht das Richtige.»

Katja würde empfehlen, vor einem Studium eine Lehre zu absolvieren, um besser zu beurteilen, ob der entsprechende Beruf wirklich zu 100% passt. Denn viele würden direkt von der Schule an die Uni gehen und ihr Studium später abbrechen. Sie fände auch technischen Unterricht an der Volksschule sinnvoll. So könnte beim einen oder anderen Kind ein technisches Flair zum Vorschein kommen, von dem es selbst noch nichts wusste. Daraus folgend könnten auch mehr Frauen bzw. Mädchen für den Ingenieursberuf begeistert werden. Schliesslich tendieren in dem Alter, in dem man anfängt zu studieren, die meisten schon in eine Richtung und sind anderem gegenüber weniger offen.

Katja hat noch eine weitere Idee, um junge Leute bei der Berufswahl zu unterstützen und gleichzeitig ihnen ihren Freiraum zu gewährleisten. Nach der Volksschule sollten Jugendliche sich Zeit nehmen können, um in verschiedenen Unternehmen mehrwöchige Praktika zu durchlaufen. So könnten sie herausfinden, was ihnen tatsächlich liegt. Durch diese Massnahmen wäre wohl auch die Frauenquote weniger ein Thema. Denn von ebendieser hält Katja grundsätzlich nicht viel, weil man so schlussendlich immer die Quotenfrau bleibt. Schon jetzt sind die Gründe, wieso ein Unternehmen aus einer männerdominierten Branche eine Frau einstellen will, teilweise etwas fragwürdig. Dem würde eine Frauenquote kaum entgegenwirken.